Das Projekt greift dieses Desiderat auf und erweitert den bisherigen Fokus auf Reflexion und Meta-Reflexivität um eine zusätzliche Perspektive: die Analyse und Gestaltung epistemischer Arbeitsbeziehungen im Bildungsbereich. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass professionelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit in Schule, Hochschule, Lehrer:innenbildung und Bildungsforschung nicht nur auf der Sachebene verläuft, sondern auch durch Anerkennungsasymmetrien, Sichtbarkeit, Deutungshoheit, Vertrauen, Dissens und institutionelle Machtverhältnisse geprägt ist. Solche Dynamiken werden nicht als bloß individuelle Probleme verstanden, sondern als Ausdruck sozialer und organisationaler Bedingungen professioneller und wissenschaftlicher Praxis. Ein tragfähiges Konzept meta-reflexiver Professionalisierung muss daher personale Ethik, soziale Erkenntnispraxis und institutionelle Ordnung zusammendenken. Genau diese Dreiteilung wird im Projekt herausgearbeitet und mit sozialepistemologischen und wissenschaftssoziologischen Fragestellungen verbunden.
Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt zwei eng miteinander verbundene Ziele: (1) Es wird empirisch untersucht, welche Konzepte von Reflexion, Reflexivität und Reflexionskompetenz in den Curricula pädagogischer Hochschulen sowie bei Hochschullehrpersonen und Lehramtsstudierenden vorliegen und wie diese derzeit gefördert, sichtbar gemacht und evaluiert werden; (2) Der Ansatz meta-reflexiver Professionalisierung wird theoretisch-konzeptionell weiterentwickelt: um die Dimension integrer Klugheit als professionsethische und sozialepistemische Leitkategorie für den Umgang mit epistemischen Konflikten, Anerkennungsasymmetrien und strategischen Dynamiken in Arbeitsbeziehungen des Bildungsbereichs.
Integre Klugheit wird dabei als meta-reflexive professionelle Disposition verstanden, die institutionelle und soziale Dynamiken hermeneutisch und realistisch lesen kann, ohne sich ihnen zynisch auszuliefern; die strategische Herausforderungen erkennt, ohne selbst unlauter zu handeln; und die epistemische Ehrlichkeit mit Verantwortlichkeit für die Bedingungen guter Wissensproduktion verbindet, ohne naiv gegenüber mikropolitischen Realitäten zu sein; und die Verantwortung nicht nur für das eigene Handeln, sondern auch für die institutionellen Bedingungen guter Wissensproduktion übernimmt. Philosophisch wird das Konzept im Dialog von Professionstheorie, Wissenschaftssoziologie, Sozialepistemologie und christlich informierter Tugendethik entfaltet.
Methodologisch ist das Projekt in empirisch-konzeptioneller Sozialforschung, Mixed Methods und Design-based Research verortet. Ziel ist die Entwicklung eines theoretisch fundierten und praxisorientierten Konzepts meta-reflexiver Professionalisierung, das Reflexionskompetenz nicht nur als Weg und Ziel professioneller Entwicklung, sondern auch als Grundlage integrer, epistemisch verantwortlicher Arbeitsbeziehungen in Schule, Hochschule und Bildungsforschung ausweist.
The project addresses this gap by extending the established focus on reflection and meta-reflexivity through an additional lens: the analysis and shaping of epistemic working relationships in education. It assumes that professional and academic collaboration in schools, higher education, teacher education, and educational research is shaped not only by subject-matter concerns, but also by asymmetries of recognition, visibility, interpretive authority, trust, dissent, and institutional power. These dynamics are treated not as individual difficulties alone, but as manifestations of the social and organisational conditions of professional and academic practice. A viable concept of meta-reflexive professionalisation must therefore integrate personal ethics, social knowledge practices, and institutional order, thereby systematically linking reflection, reflexivity, and meta-reflexivity to social epistemology and the sociology of science.
Against this background, the project pursues two interrelated objectives. First, it investigates empirically which concepts of reflection, reflexivity, and reflective competence are present in the curricula of university colleges of teacher education, among teacher educators, and among student teachers, and how these concepts are currently fostered, rendered visible, and evaluated. Second, it advances the framework of meta-reflexive professionalisation by introducing the dimension of integre Klugheit as a professional-ethical and social-epistemological guiding concept for addressing epistemic conflicts, asymmetries of recognition, and strategic dynamics in educational working relationships.
Within the project, integre Klugheit is conceptualised as a meta-reflexive professional disposition that interprets institutional and social dynamics in hermeneutically informed and realistic ways without lapsing into cynicism, recognises strategic challenges without reproducing manipulative conduct, and links epistemic honesty to responsibility for the conditions of sound knowledge production without naivety toward micropolitical realities. Responsibility thus extends beyond individual conduct to the institutional conditions under which good knowledge can emerge. Philosophically, the concept is developed through a dialogue between theories of profession, the sociology of science, social epistemology, and Christian-informed virtue ethics.
Methodologically, the project is located at the intersection of empirically informed conceptual social research, mixed-methods methodology, and design-based research. Its overall aim is to develop a theoretically robust and practice-oriented concept of meta-reflexive professionalisation that understands reflective competence not only as both a means and an outcome of professional development, but also as a foundation for educational working relationships characterised by integrity and epistemic responsibility.
Grundsätzlich ist die Beteiligung der Eltern, Erziehungsberechtigten und Familien eine gesetzlich geregelte Maßnahme. Inwieweit dies gelingt, ist jedoch sehr stark von den vielfältigen Lebenswelten und situativen Bedingungen der Bezugsgruppen abhängig, die über sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Kooperation verfügen. Während sich einige Familien völlig ungezwungen auf eine Zusammenarbeit einlassen können, gibt es bei anderen Familien Barrieren, Unsicherheiten etc., die eine schnelle und friktionsfreie Zusammenarbeit eher behindern. Manche Eltern, Erziehungsberechtigte und Familien würden sich gerne stärker einbringen, zeigen aber Unsicherheiten – andere zeigen sich zurückhaltend bis ablehnend. Gerade die Erreichbarkeit dieser Bezugsgruppe stellt Elementarpädagog*innen vor große Herausforderungen, ist aber einer der wichtigsten Aufgabenbereiche (siehe auch waterford.org).
Eine solche Form der Kooperation kann helfen, Entwicklungsziele zu finden, die besser auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder abgestimmt sind und auch gemeinsam verfolgt werden. Die Zusammenarbeit mit Eltern, Erziehungsberechtigten und Familien gilt daher als einer der wesentlichsten Faktoren, um eine effektive Entwicklungs- und Lernumgebung zu schaffen bzw. um die Entwicklungs- und Lernprozesse der Kinder bestmöglich unterstützen zu können. Elementarpädagogische Studien zeigen, dass die Qualität der Zusammenarbeit mit Eltern, Erziehungsberechtigten und Familien einen Einfluss auf die kindliche Entwicklung und das Wohlbefinden von Kindern in elementarpädagogischen Bildungseinrichtungen hat (u. a. REPEY – „Research in Effective Pedagogy in the Early Years“ – Siraj-Blatchford et al., 2002; EPPE – Effective Provision of Preschool Education, Sylva et al., 2003, 2004; Lehrl et al., 2012). Kinder, deren familiäre Bezugspersonen in die pädagogische Praxis einbezogen werden, zeigen eher Selbstvertrauen und eine erhöhte Lernmotivation. Entsprechend positive Effekte bilden sich ebenso im Bereich der kognitiven Entwicklung (u. a. Lehrl et al., 2020) ab und erstrecken sich auch auf die soziale und emotionale Entwicklung der Kinder.
Mit theoriebasierten Qualifizierungsmaßnahmen kann eine qualitätsvolle Zusammenarbeit mit den Bezugspersonen der Kinder positiv stimuliert werden (Siraj-Blatchford et al., 2002; Sylva et al., 2004). Diesem Professionalisierungsbedarf folgend wird in einem ersten Schritt die Entwicklung eines Reflexionstools vorgeschlagen, das die übergeordneten Ziele einer gelingenden Gestaltung und Entwicklung von Kooperationsstrukturen darstellt und auf eine professionelle Responsivität und lösungsorientierte Konfliktbearbeitung abzielt. Zur Entwicklung wird eine systematische Literaturrecherche und Analyse bestehender Konzepte zur Zusammenarbeit mit Eltern, Erziehungsberechtigten und Familien umgesetzt.
Das Projekt dient der datengestützten und theoretisch abgesicherten mehrstufigen Entwicklung dieser Pflichtfachangebote und folgt dem Ansatz der Design-Based Research (DBR). Es wird von Personen durchgeführt, die gleichzeitig in einer forschenden und gestaltenden bzw. entwerfenden Rolle tätig sind. Bei der Entwicklungsarbeit greift das Forschungsteam auf theoretische Grundlagen sowie vorliegende und neu erhobene Daten im Rahmen formativer und summativer Evaluationen zurück. Das Projekt zielt neben dem bildungspraktischen Nutzen (Lehrveranstaltungsangebot) auf theoretisch nutzbare Erkenntnisse zur Didaktik der Hochschullernwerkstatt und zur kooperativen und partizipativen Lehre-Entwicklung.
Gleichzeitig steht die Politische Bildung vor der Herausforderung, dass Schüler*innen zwar politisches Interesse zeigen, dennoch kaum Zeit bleibt, dieses Interesse im Unterricht zu fördern, unzureichend geeignete Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stehen, die kindgerechte Vermittlung politischer Inhalte kaum Teil der Ausbildung von angehenden Lehrkräften ist, und damit Lehrkräfte oft nicht wissen, welche politischen Themen in welcher Form kindgerecht vermittelt werden können (Larcher & Zandonella, 2016). Im Rahmen des Projekts sollen neben Schüler*innen auch Lehrkräfte befragt werden, einerseits in Hinblick auf ihre Fremdeinschätzung der Interessen der Schüler*innen der Primarstufe im Bereich der Politischen Bildung, andererseits in Hinblick auf Potenziale und Herausforderungen, die sie für sich im Bereich der Politischen Bildung wahrnehmen und welche Relevanz die gesellschaftliche Diversität im Bereich der Politischen Bildung darstellt. Im Vorfeld des Projekts soll eine Analyse der vorhandenen Unterrichtsmaterialien durchgeführt werden.
Dieser Unterschied führt zu einer sprachlichen und kulturellen Kluft zwischen Lehrkräften und Schülerinnen, die von einigen Forschern als „Parallelgesellschaft im Lehrerzimmer“ beschrieben wird. Dies betrifft nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten, sondern auch die Überzeugungen der Lehrkräfte zur Mehrsprachigkeit, die entscheidend für die pädagogische Praxis sind. Erste Untersuchungen in Graz zeigen, dass der Anteil der mehrsprachigen Lehrkräfte deutlich hinter dem der Schülerinnen zurückbleibt (z. B. 10% vs. 42,6% an einer Grazer Volksschule).
Das Projekt zielt darauf ab, ein repräsentatives Bild der Mehrsprachigkeit von Primarstufen-Pädagog*innen in Graz und gegebenenfalls weiteren Standorten der Steiermark zu erstellen. Zudem sollen die Überzeugungen der Pädagog*innen zur Mehrsprachigkeit analysiert werden, da diese zunehmend als Schlüssel für inklusivere Bildungspraktiken erkannt werden.
Das Projekt adressiert diese Herausforderungen und entwickelt ein Rahmenmodell für kompetenzorientierten, fächerübergreifenden naturwissenschaftlichen Unterricht und Reflexion von Unterricht in der Primarstufe, das auf dem Konzept des „Science Capital“ basiert. „Science Capital“ beschreibt persönliche Ressourcen, Erfahrungen und Einstellungen zur Naturwissenschaft, die früh im familiären Umfeld geprägt werden. Für den deutschsprachigen Raum wird eine Interviewstudie durchgeführt, um Begrifflichkeiten, Erfahrungen und das Selbstkonzept von Kindern in Bezug auf MINT bzw. Naturwissenschaften zu erfassen.
Zentrale Ziele des Projekts:
1) Erhebung des MINT-Kapitals von Primarstufenschüler*innen der Grundstufe 2: Durchführung und Auswertung semi-strukturierter Interviews und Entwicklung eines standardisierten Fragebogens zur Erfassung des MINT-Kapitals für die Grundstufe 2.
2) Entwicklung eines Rahmenmodells für Aus- und Fortbildung zur Förderung von kompetenzorientiertem, fächerübergreifendem MINT-Unterricht sowie überfachlichen Kompetenzen und der Reflexion des Unterrichts bei angehenden und im Dienst stehenden Lehrpersonen. Förderung diversitätssensiblen Unterrichts: Stärkung der Eigenständigkeit von Schüler*innen, Chancengleichheit und alltagsrelevanter MINT-Bildung.
3) Evaluation des Modells der Perspektive von angehenden und im Dienst stehenden Lehrpersonen: Analyse der Akzeptanz und Wirksamkeit des Aus- und Fortbildungskonzepts, mit Fokus auf Einstellungen, Stereotype und Selbstwirksamkeit und Reflexion des Unterrichts, der Wahrnehmung von Anforderungen, der Berufs- und Arbeitszufriedenheit, Berufsmotiven und Erwartungen an die Arbeit sowie berufliche Werte und Haltungen von angehenden und im Dienst stehenden Lehrpersonen.
4) Evaluation des Modells aus der Perspektive von Schüler*innen zur Entwicklung des MINT Kapitals, Selbstkonzept, Interesse und Motivation, Stereotype von den Schüler*innen, der Lernfreude, der Anstrengungsbereitschaft und der Schuleinstellung vor und nach der Einführung des Rahmenmodells im Unterricht.
5) Implementation des Rahmenmodells: Verankerung als fester Bestandteil in der Lehreraus- und fortbildung.
Das Entwicklungs- und Forschungsprojekt adressiert die Förderung und Reflexion von MINT-Kapital sowie kompetenzorientierter fächerübergreifender Kompetenzen und überfachlicher Professionalisierung von angehenden und im Dienst stehenden Lehrpersonen. Durch das umfassende Rahmenkonzept wird die Förderung des MINT bzw. naturwissenschaftlichen Interesses und der Bildungsgerechtigkeit adressiert.